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Natalia Green

Ich hatte dieses Mädchen noch nie zuvor gesehen. Ihre Haare waren rotbraun und schulterlang, ihre Augen so grün, dass sie wohl auch im Dunkeln glühten. Ich begegnete ihr vor 21 Tagen in der Fußgängerzone der Stadt, in der ich damals lebte.

 

Sie stand plötzlich hinter mir und nannte meinen Namen. Ich erschrak und sah mich um, da hielt sie mir ein Bild, ein Foto, entgegen und sagte: „Bis Montag den 24. Mai 1993 um 13 Uhr und 26 Minuten.“. Dann drehte sie sich um und ging. Völlig verdattert sah ich ihr nach bis sie in den Gassen verschwunden war. Ich hätte sie aufhalten müssen, das weiß ich jetzt, aber ich stand so völlig neben mir.

Ja, und dann sah ich auf das Bild, das sie mir gegeben hatte und rastete völlig aus. Dieses Bild, dieses Foto stellte mich dar, wie ich von einem roten Sportwagen überfahren wurde und darunter stand in einer vor Schnörkeln kaum leserlichen Schrift ein Datum: Montag, 24.05.1993 1328.

Ich bekam einen solchen Schock, dass ich das Bild augenblicklich fallen ließ und weg rannte. Was mit dem Bild passierte, das weiß ich nicht mehr.

Wegen des merkwürdigen Mädchens hatte ich die ganze Nacht wach gelegen und als der Wecker klingelte haute ich so auf ihn drauf, dass der Alarm wieder aus ging, drehte mich um und schlief weiter. Als ich das nächste Mal aufwachte war es viel zu spät, als das ich noch zur Arbeit gekonnt hätte, also meldete ich mich kurzerhand krank. Danach zog ich mich an, frühstückte gemütlich und entschloss ich mich, einen Spaziergang zu machen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ich wusste zwar noch, was am vorherigen Tag passiert war, aber es war irgendwie alles so verschwommen. Das Foto, das Mädchen waren nur noch Schatten. Und auch die Datumsangabe war völlig aus meinen Gedanken gestrichen. Aber diese leuchtenden, Smaragdgrünen Augen des Mädchens waren noch so klar, wie am Tag davor.

Lange streute ich umher, bis ich mich vor dem Haus, in der meine kleine Schwester eine Wohnung hatte, wieder fand. Elina hieß sie. Einige Minuten stand ich da und starrte einfach nur auf das Fenster, wo ihre Wohnung war. Ein Farn stand innen auf der Fensterbank. Schließlich fasste ich mir ein Herz und klingelte bei ihr. Die Sprechanlage knackste und ihre Stimme klang furchtbar mechanisch. Als ich mich zu erkennen gegeben hatte hörte ich sie geradezu lächeln und kurz darauf konnte ich eintreten. Sie erwartete mich mit den Worten „Hallo, Nana, wie geht’s dir?“ bereits im Treppenhaus und umarmte mich lieb. Seit ich denken kann nennt sie mich Nana. Denn als sie noch ein kleines Kind war konnte sie meinen Namen nicht aussprechen und so wurde aus Natalia eben Nana.

Schließlich saßen wir in ihrer Küche und unterhielten uns. Sie fragte, warum ich nicht bei der Arbeit sei und ich erzählte ihr von dem Mädchen und dem Foto. Sie schüttelte verständnislos den Kopf und sah mich fragend an. In dem Moment wollte ich mich dafür verfluchen, dass ich es ihr erzählt hatte. Also lachte ich und meinte, sie solle sich bloß keine Sorgen machen, ich käme schon klar, und außerdem wäre es wohl eine Fotomontage gewesen, die mir Angst einjagen sollte. Wahrscheinlich war’s von meinen Kollegen geplant, oder so. Sie lächelte, gab mir Recht und wir unterhielten uns über eher belangloses Zeug. Als sie mich dann aber verabschiedete umarmte sie mich besonders lange und feste, sah mir fest in die Augen und meinte, ich solle trotzdem auf mich aufpassen.

Ich hatte aber die Lüge, die ich ihr aufgetischt hatte, als wahr genommen und schlug ihre Warnung in den Wind. Mein Leben wurde nicht ein Stück auf die neue Situation eingestellt und bald schon hatte ich das Mädchen und das Foto verdrängt. Aber die Augen waren doch irgendwie allgegenwärtig ….


Der Rest des Tages verging ohne etwas Erwähnenswertes. Er war eigentlich sogar eher langweilig; ich setzte mich ins Wohnzimmer auf meinen Sessel und las ein Buch, das ich bereits fast auswendig kannte. Irgendwann wurde es mir zuviel und ich schaltete den Fernseher ein und schaute mir einen Kitschfilm an. Einige Zeit später wachte ich auf und schlich in mein Schlafzimmer und fiel schwer auf mein Bett, in dem ich auch nur wenige Minuten später eingeschlafen war.

Am nächsten Morgen weckte mich wieder das schrille Läuten meines Weckers. Ich konnte mich aber nicht erinnern, ihn am vorhergegangenen Abend angemacht zu haben.

Mühsam rappelte ich mich auf, machte mich fertig und ging zur Arbeit. Zwar hätte ich ohne weiteres noch einen Tag frei kriegen können, aber ich bin einer der Menschen, die die Ruhe nicht haben können …. Gemütliche Abende vor dem Fernseher oder mit einem Buch sind irgendwie nichts für mich. Nachdem ich bei meiner Arbeitsstelle angekommen war, wurde ich erst einmal von allen gefragt, ob es mir „denn wirklich wieder gut“ ginge. Ich war richtig froh, als sich das bis zur Mittagspause abgeflaut hatte, denn ich hasse Mitleid.

Ansonsten normalisierte sich mein Tagesablauf wieder und dieses merkwürdige Mädchen mit ihrem Foto wurden aus meinem Kopf verbannt. Am nächsten Tag bereits war wieder völlige Normalität in mein Leben eingegehrt. Normalität und Routine, wie gut das tat!

Am nächsten Tag aber kam ein gelber Cadillac auf mich zugebrettert, als ich gerade von der Arbeit kam. Als ich das bemerkte war es für einen Augenblick so, als käme ein roter Sportwagen auf mich zu. Die Erinnerung an das Foto stieg in mir auf und setzte sich wie ein Kloß in meinen Hals, bis ich völlig gelähmt war. Wie es endete kann man sich ja denken: Der Fahrer stieg in die Bremsen und kam wenige Zentimeter vor mir zum stehen. Ich entschuldigte mich tausend Mal und schlich von der Fahrbahn. Und dann war die erste Woche bereits um. Ich hatte meinen Autounfall überlebt und nicht konnte mir passieren, so dachte ich. Und so verging auch die Zweite Woche ohne etwas Erwähnenswertes. Und als die dritte Woche angefangen hatte, hatte ich Foto und Warnung längst vergessen.

Nach dem Wochenende aber überkam mich ein merkwürdiges Gefühl, aber da ich es nicht einordnen konnte beachtete ich es nicht. Ich hatte das Mädchen, das ich 21 Tage zuvor getroffen hatte, nun fast völlig aus meinem Gedächtnis getilgt und ich wollte mich nie wieder an sie erinnern.

Ich schaute auf die Uhr. 1300, und damit Mittagspause. Ich freute mich und wollte zur Kantine, als Sima sich zu mir gesellte. Sie war meine Kollegin und auch eine Freundin von mir. Wir unterhielten uns gut, aber um zwanzig nach bat sie mich kurz zum Bäcker gegenüber zu gehen, denn ihre Pause wäre zu Ende und ich hätte ja noch eine halbe Stunde. Da ich mir sowieso noch eine Zeitschrift holen wollte, stimmte ich zu, warf mir meinen Mantel über und verließ das Gebäude. An der Straße sah ich nach Rechts und Links. Kein Auto kam und ich ging über die Straße. Schemenhaft stiegen Erinnerungen und Gedanken in mir auf. Ein Mädchen, ein Sportwagen, ein Foto ….. grüne Augen. Das war der Gedanke, was mir alles wieder klar und deutlich in Erinnerung rief. Ich schreckte auf und sah mich abermals um.

Und wirklich kam ein roter Sportwagen kam auf mich zu. Sein Fahrer hantierte gerade am Radio herum und achtete nicht auf die Straße. Ich starrte ihn nur an, völlig unfähig mich zu bewegen. Sekunden später erfasste er mich. Noch bevor ich auf dem Boden auftraf war ich tot.

11.5.07 14:32


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Craig Olsen

Ich war gerade erst 15 geworden und war mit meinen Freunden unterwegs als sie auf mich zukam. Sie war wohl so etwa siebzehn Jahre alt und sah eigentlich ganz süß aus, aber so ganz mein Typ war sie nicht, was sie allerdings auch nicht zu stören schien. Jedenfalls kam sie lächelnd auf mich zu. „Hi“, sagte sie und streckte mir ihre Hand hin. „Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu deinem Geburtstag.“ Ich was schon sehr irritiert, aber meine Leute lachten sich hinter meinem Rücken scheckig; sie fandens eben komisch. Dann wurde sie plötzlich etwas ernster und als ich mich an ihr vorbeischieben wollte hielt sie mich zurück. Ihr Blick klebte am Boden. „Ich muss dir etwas geben.“, sagte sie und hielt mir ein Foto hin. „Du hast bis zum 28.04.2007 Zeit, mach das Beste draus.“ Mittlerweile hatten auch einige meiner Leute gemerkt, dass die Sache doch anders war, als wir dachten und als ich mir das Bild anschaute glotzten sie mir über die Schulter. „Das is hart!“, gab einer von ihnen, Maik, zum Besten. Ein anderer, Djörg, stimmte zu. „Jetzt macht dich mal ein Mädchen an, und dann gibt sie dir so was! Voll abartig!“ Maik grinste mich breit an. „Tja, Craig, dumm gelaufen.“, Ich aber schaute nur gedankenverloren auf das Foto, das mich darstellte, wie ich mit meinem Fahrrad ertrank. „Noch ein halber Monat“, flüsterte Djörg mir grinsend ins Ohr.

Ich habe nie wirklich erfahren, warum sie so reagiert haben, aber wahrscheinlich haben sie es einfach nicht ernst genommen. Ich aber schon, anfangs zumindest. Is ja eigentlich auch klar, ich war es schließlich, der dieses Foto bekommen hatte und war daher auch ein wenig beunruhigt. Ich hatte das Foto den ganzen restlichen Tag in den Händen und schaute es mir immer wieder an. Vielleicht hoffte ich damals, das Bild würde sich verändern.

Wirklich Spaß konnten meine Kumpel mit mir jedenfalls nicht mehr haben und so ging ich ziemlich bald wieder heim, was meine Mutter ein wenig erstaunte. Aber da ich ihr in anderen Situationen nicht geantwortet hätte, sprach sie mich nicht darauf an. Vielleicht wäre es besser gewesen mit ihr zu reden.

An jenem Abend dauerte es sehr lange, bis ich endlich einschlief. Immer und immer wieder sah ich mir das Bild ganz genau an. Bald konnte ich mir alle Details wieder aufrufen, die es auf diesem Bild gab: Mein Fahrrad, der Grund des Sees mit jedem einzelnem Kraut, mein Gesicht mit den panischen, weit aufgerissenen Augen, die Art, wie ich verzweifelt versuchte zu schwimmen und jede einzelne Luftblase.

Irgendwann schlief ich ein, ich schlief nicht gut, aber ich schlief, das Bild fest in meiner Hand.

Als ich aufwachte saß mein großer Bruder Jhonney an meinem Bett und hielt breit grinsend das Foto in seinen Händen. „Was machst du in meinem Zimmer?“, fragte ich mehr nuschelnd als redend. Darauf verbreiterte sich sein Grinsen nur noch mehr. „Das Foto ist echt geil! Wie habt ihr das gemacht?“ Ich zuckte mit den Schultern. „So ’n Mädchen hat’s mir gegeben.“ Er wand seinen Blick nicht vom Bild und nickte. „Is eine echt geniale Fotomontage!“ In dem Augenblick wurde ich wach. „Wie meinst du das?“ Nun sah er mich verständnislos an. „Na hör mal! Wenn du damit nichts zu tun hast, is es jawohl eine Fotomontage. Aber eine richtig gute! Makaber, aber gut!“ Ich nickte langsam. Eine Fotomontage … das ergab Sinn. „Bleib nur die Frage, von wem …“, murmelte ich. „Is das nich völlig egal?“, erwiderte er. „Und nun vergiss die Sache, sie sollte nicht das wichtigste in deinem Leben werden!“ Langsam nickte ich. Aber was wäre, wenn das Foto wirklich echt wäre? Wäre es, da es meinen Tod zeigt, nicht doch das Wichtigste in meinem Leben? Nein, Jhonny hatte Recht. Ich durfte mich nicht von einem Mädchen und ihrem Foto zum Narren halten lassen!

Von diesem Entschluss beruhigt versuchte ich mein Leben wieder aufzunehmen, was sich Anfangs jedoch recht kompliziert gestaltete. In den ersten Tagen war ich sehr, sehr nervös und machte um jeden See oder Teich, sogar um Pfützen, einen großen Bogen und mein Fahrrad rührte ich nicht an. Wie ich schon sagte, ich war wirklich sehr nervös.

Irgendwann kam ich dann auf den Trichter, dass mir vor dem 28. doch eigentlich nichts passieren konnte und ich wurde lockerer. Anfangs nur ein wenig, aber dann immer mehr.

Es war der dreiundzwanzigste, als ich meine Angst überwand und wieder auf mein Fahrrad stieg und durch den Park fuhr. Nun, eigentlich war es gar nicht mein Wille, der die Angst besiegte, eher ….

„Craig!“, rief sie. „Hier bin ich!“ Ich tritt noch fester in die Pedale. „Sisi!“, rief ich ihr entgegen. Sie verdrehte die Augen. Wie ich jetzt weiß, mochte sie diese Abkürzung nicht … im Übrigen genau so wenig, wie ihren eigentlichen Namen: Siena. Wobei ich ihn eigentlich sehr schön finde ... immer schon fand! Sie war in meiner Klasse und ich hatte schon lange ein Auge auf sie geworfen. Sie war … einfach toll. Ich habe es ihr auch schon sehr oft gesagt, aber sie hat mir immer nur diesen kalten, desinteressierten Blick zugeworfen, der einfach sagte, dass ich ihr nicht zu Nahe kommen sollte. Als ich es dann endlich begriffen hatte, kam sie mit ihrem, wirklich göttlichem, Lächeln auf mich zu und fragte mich, ob ich sie am 23. treffen wolle. Ich war ... überwältigt! Hin und weg! Und sie …. War wirklich da.

„Du bist ja sogar fast pünktlich!“, sagte sie mit ihrem zuckersüßen Lächeln, doch ihr ironischer Unterton unterging mir trotzdem nicht, auch, wenn ich ihn überging. „Tja!“, ich kratzte mich verlegen am Kopf. „Fast nicht mehr, aber wofür hat man den auch Fahrräder.“ „Um zu spät zu kommen?“ Ich sah sie verständnislos an. „Hä?“ Sie winkte ab. „Vergissesvergisses! Komm lieber mit! Du darfst mich auf ein eis einladen.“

Ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt! Und ihr habt auch Recht. Sie ist ein wirklich grausames Mädchen. Mittlerweile ist mir das auch klar. Aber da musste ich erst erfahren, dass sie mich nur dazu benutzen wollte, um ihren Exfreund eifersüchtig zu machen. Kaum, dass sie ihn in der Eisdiele sah, lächelte sie mich wieder richtig niedlich an und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sie lachte auch auf ihre tolle Art. Es klappte auch. Ihr Ex wurde auf uns aufmerksam und strafte mich mit einem echt fiesen Blick. Ich schluckte schwer. Dann bezahlte ich Sienas Drei-Kugeln-Eis und wir verließen die Diele wieder, natürlich immer auf den Spuren ihres Ex’.

Als er sich dann uns zu wand war ich gerade dabei, ihre Hand zu nehmen, für mich ein jahrelanger Traum, der in einen Albtraum ausarten sollte. Er tickte aus und scheuerte mir eine, so dass ich zu Boden fiel und brüllte mich an, ich solle meine „Drecksfinger von meinem Sienchen“ lassen. Ich stand auf und rieb mir die Wange. „Sie hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihr auszugehen.“ Ach, wie dumm ich doch war. Für diese „infame Unterstellung“ fing ich mir gleich noch mal eine ein.

Ich „Schwächling“ sollte mich in Zukunft von ihr fern halten. Dann griff er sich seine „Ex“, die mit dem Verlauf sichtlich zufrieden war, und zerrte sie hinter sich her.

Und als der verliebte Idiot, der ich war, ließ ich sie nicht einfach gehen, sondern forderte ihn heraus. „In fünf Tagen! Hier im Park! Vom Nord zum Südeingang mit dem Rad. Alles ist erlaubt. Wer zuerst beim Südtor ankommt, hat gewonnen.“ Noch während ich einschlug nagte ganz tief in meinem Kopf eine Erinnerung an etwas Wichtiges. Aber was könnte wichtiger sein als um die Frau des Herzens zu kämpfen? Hm, ihr ahnt es wahrscheinlich schon. Denn der Tag, an dem das Fahrradrennen statt fand war der achtundzwanzigste April.

Jeder der vier Tage war davon bestimmt, dass ich versuchte, mich an das zu erinnern, was ich vergessen hatte. Irgendwie funktionierte es aber leider nicht. Noch am Nordtor des Parks grübelte ich. Dann kam Sienas - ehemaliger - Ex siegessicher auf einem Mountainbike angeradelt. „Hals- und Beinbruch, Kleiner!“, grinste er und da fiel es mir wieder ein: das Foto! Das hatte ich völlig vergessen! Für wann war das noch mal Datiert? Ich konnte mich noch verschwommen an alle Details erinnern, aber das Datum hatte ich mir eigentlich nie eingeprägt. Fürwannfürwannfürwann?! Den dreiundzwanzigsten? Fünfundzwanzigsten? Achtundzwanzigsten oder Dreißigsten? Den Fünfundzwanzigsten, nicht wahr? Ja! Ganz sicher! Da wollte ich nämlich eigentlich üben und wäre fast in den Teich gefallen! Jhonny hatte mir geholfen … also hatte ich überlebt, oder nicht? Doch! Ganz sicher!

Ist es nicht schön, wenn man sich selbst Dinge noch so glaubhaft einreden kann? Noch während der ganzen Fahrt nagten Zweifel in meinem Kopf und irgendetwas in mir schrie immer „Heute!“. Aber die Zweifel ignorierte ich und das „Heute!“ brachte ich mit: „erkämpfe ich mir Sienas Herz!“ in Verbindung. Obwohl auch der Zweifel daran nagte. Denn irgendwie wusste ich ja, wie die Dinge standen. Aber das was in dem Moment völlig unwichtig.

Ich hielt recht gut mit. Ich war zwar immer eher hinter Sienas Ex, aber er hängte mich nicht ab. Und so kam sein Regel zum tragen: „Alles ist erlaubt!“

Er versuchte mich zu blockieren, mich abzudrängen, aber in der Nähe des Sees holte ich wieder auf. Als ich mit ihm auf gleicher Höhe war, tritt er nach meinem Reifen. Ich verlor die Kontrolle über mein Rad und dann geschah alles so schnell!

Meine Hose verknotete sich mit dem Pedal und ich fiel in den Teich. Halb fiel ich, halb purzelte ich den kleinen Hang hinunter, als ich direkt meinem Ohr Djörg grinsend flüstern hörte: „Noch ein halber Monat“ Und dann war auch sie wieder in meinen Gedanken: „Du hast bis zum 28.04.2007 Zeit, mach das Beste draus.“ Und das Foto war wieder klar und deutlich vor meinen Augen. Ich hatte mich vertan! Als das Wasser laut über mich zusammenschlug erwachte ich aus meiner Lethargie. Ich zerrte an meiner Hose, versuchte sogar sie auszuziehen, aber nichts half und das Fahrrad zog mich unaufhaltsam immer und immer tiefer. Dann schlug es auf Grund und legte sich dort hin und war bald von dem Seegras umfasst. Während ich panisch versuchte, nicht zu ertrinken, hatte sich meine Rad bereits mit seinem Schicksal abgefunden.

Ich zerrte an der Hose, paddelte, versuchte zu schwimmen und trauerte jeder Blase nach, die mit meiner kostbaren Luft gegen die Oberfläche strebte, die eigentlich gar nicht so weit entfernt lag. Das schlimme an meinem Tod war, dass meine Finderspitzen immer und immer wieder die Grenzlinie zwischen Wasser und Luft berührten.

Langsam wurden meine Arme schwer und meine Gedanken langsam. Dann verlor ich in einem letzten Seufzer all meine Restliche Atemluft und sank, meinem Fahrrad gleich, auf den Boden des Sees.

Mein Kontrahent war derweil weitergefahren. Er hatte nicht damit gerechnet, dass mir ernsthaft etwas passieren könnte. Siena war überglücklich, als sie ihn als erstes zum Tor kommen sah. Komischerweise warteten sie noch eine kleine Weile, ob ich noch kommen würde, aber dann schien es ihnen, als sei es mir zu peinlich, dass ich verloren hatte, und sie zogen ihrer Wege. Irgendwann später fischte man mich aus dem Teich. Meine Mutter bekam eine Krise, als sie es erfuhr und mein Bruder hat immer noch Schuldgefühle, denn er wusste, genau wie ich, von dem Foto und hat es hinuntergespielt. Siena und ihr jetzt-wieder-Freund erfuhren es dann auch irgendwie, was passiert war, vielleicht durch meine Todesanzeige in der Zeitung und gingen sogar einmal zu meinem Grab, um sich bei mir zu entschuldigen, was ich ganz anständig fand.

Sonst erinnere ich mich an nicht mehr. Aber, lasst euch gesagt sein: nehmt so was ernst! Zumindest ernster als ich!

22.5.07 17:54





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