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Andrew Johnson

Stell dir vor, du wärst, wie gewohnt, irgendwo hin unterwegs, such dir aus, wohin, und dann würdest du plötzlich dieses Mädchen entdecken, das dich beobachtet. Dann käme sie auf dich zu, ihre grünen Augen in deine vergraben und ihre rotbraunen Haare bei jeder Bewegung ihres zierlichen Körpers wippend. Stell dir nun vor, dass dieses Mädchen dich vollkommen in ihren Bann gezogen hätte und dann vor dir stände. Dann würde sie ihre vollen, roten Lippen öffnen und sagen: „Du wist sterben!“

Ich war so was von baff! Ich meine, OK, sie hat nicht gesagt, dass ich sterben würde, aber sie hat meinen Namen gesagt und in Anbetracht der Tatsache, dass ich sie noch nie gesehen hatte, hat mich das auch ein wenig verwirrt. Als ich dann auch noch ein Foto bekommen habe war es vollends um mich geschehen, aber ich erzähle am Besten die ganze Geschichte.

Also, ich war auf dem Strandboulevard, da kam sie mir entgegen. Ein wirklich denkwürdiger Augenblick. Ich meine, sie ist vielleicht richtig fies, aber sie sieht trotzdem gar nicht so schlecht aus, ich würde sie zumindest nicht von der Bettkante schubsen, auch, wenn das bei den wenigsten Mädchen der Fall ist. Um zurück aufs Thema zu kommen: Sie stand direkt vor mir und dann sagte sie meinen Namen. Ich hatte keine Ahnung, woher sie den wissen sollte und schaute sie einfach nur an. Sie sagte meinen Namen ein zweites Mal. Ich schwieg. Erst beim dritten Mal reagierte ich mit einem „Jaaaa?“ Sie nickte und hielt mir etwas hin, ein Foto. Dieses Foto zeigte mich, ich habe keine Ahnung, wie das gehen konnte, wie ich sterben würde. Als ich von dem Foto aufsah, war sie weg. Sie war so plötzlich fort, wie sie gekommen war und ich fühlte mich auf einmal völlig verloren. Ganz alleine mit einem Foto, das zeigte, wie ich sterben würde. Sehr frustrierend.

Dabei dachte ich mir nichts weiter dabei, als sie mich ansprach. „Hey“, dachte ich. „Warum spricht dich dieses süße, minderjährige, aber süße, Mädchen denn an?“ Sie ist aber nicht süß. Ich meine, doch, ja, ist sie schon, aber nicht in erster Linie. In erster Linie ist sie merkwürdig und gefährlich. Und zu allererst ist sie schlicht und ergreifend nervtötend! Aber dazu später mehr. Zuerst will ich erzählen, was dieses Foto zeigte, das ist nämlich schon irgendwie lustig. Es zeigte mich, wie ich einen Hammer im Kopf hatte. Einen Hammer! Im Kopf! Es war so absurd! Wie sollte das gehen? Lass dir gesagt sein, es geht. Es muss verdammt blöd kommen, damit es passiert, aber es geht! Hm, ich erzähle zuviel. Dazu komme ich später noch.

Das Foto schmiss ich weg, was sollte ich mich auch damit belasten? Es war Schwachsinn! Mein Leben ist gut und organisiert. Ich bin einfach zu geschickt, um mich mit einem Hammer zu töten. Wie sollte das denn auch gehen.

Ich führte meinen Weg fort, als sei nichts passiert. Was war denn auch groß passiert? Ein absolut süßes aber total durchgeknalltes Mädchen hatte mir ein Foto gegeben. Wahrscheinlich war das nur ne Werbung für eine Lebensversicherung oder so, hätte das Bild wohl umdrehen sollen. Na ja, jetzt wars weg.

Was hätte ich denn sonst tun sollen, als zu meinem Alltag zurückzukehren? Und was für ein Alltag! Ha! Nach der Arbeit ging ich in eine Bar und riss eine echt heiße Schnecke auf. Nach einer schlaflosen Nach mit ihr, einer fantastischen schlaflosen Nacht mit ihr, setzte ich sie am Morgen wieder vor die Türe. Sie war absolut heiß, aber nicht so das, womit man mehr als einmal schläft. Auch, wenn sich das eine Mal echt gelohnt hat. Haha!

Na ja, der nächste Morgen war ziemlich hart für mich. Ich hatte einen gigantischen Kater, aber was solls? Einfach den Job blau machen, noch eine Runde schlafen und schauen, was der Tag für mich bereithält. Irgendwann gegen Mittag stand ich dann ein zweites Mal auf und tigerte durch meine Wohnung. Eine hübsche Wohnung. Genau wie ich. Aber kommen wir zurück zur Sache. Ich war also allein in meiner Wohnung und holte erstmal Zeitung und Post um sie am Küchentisch zu lesen. Zuerst die Zeitung. Nichts besonderes, du kennst das sicher: Politik, Sport, Mord und Todschlag, hier und da ne Hochzeit. Unwichtig. Wobei ich Sport noch am interessantesten finde. Ich schlug die Zeitung wieder zu. Auf der letzten Seite waren die Todesanzeigen. Ich musste lachen. Sie waren mir noch nie so aufgefallen. Ich meine, ich weiß zwar, dass sie da sind, aber irgendwie wirkten sie nun vollkommen anders auf mich. Was wäre denn, wenn ich da hinten drauf stände? Ich lache wieder. Absurde Vorstellung … eine Todesanzeige für mich, wer sollte die schon aufsetzen. Na, das sollte dann wohl nicht mehr mein Problem sein. Ich hielt einen Moment inne. Hatte mich das Mädchen wirklich so durcheinander gebracht?

Um den Gedanken wieder abzuschütteln sah ich die Post durch. Auch nichts Wichtiges. Rechnungen, Mahnungen, Werbung. Oh, eine Postkarte von meiner Schwester. Ich überflog sie. Flitterwochen auf Hawaii, er war schon untreu geworden. Hey! Warum beschimpfte sie mich deswegen? Entsorgen! Was gab es denn noch? Oh, eine Anmeldebetätigung für einen Handwerkerkurs. Cool! Dafür hatte ich mich etwa vor einem halben Jahr eingetragen. Inkompetentes Packe!

Anschließend schaltete ich meinen PC an. Ich dachte mir, ich könnte vielleicht ein bisschen arbeiten, jetzt, wo ich schon nicht zur Arbeit erschienen war … ja, auch jemand wie ich hat ab und zu ein schlechtes Gewissen. Aber nur selten, das gebe ich zu.

Ich arbeitete nicht. Zumindest nicht sofort. Zuerst sah ich die Mails nach, mit denen ich schon etwa drei Tage im Verzug war und schaute dann auf meine Internetseite. Die Seite ist echt cool! Ihr könnt sie gerne mal anschauen. Jedenfalls hab ich da eine Kategorie `Durchgeknallte Leute´. Da finden sich Einträge von mir über Leute wie Michael Jackson, Britney Spears, meine Schwester, George Busch und eben andere Leute, die vollkommen durchgeknallt sind. Ich tippte für einen neuen Eintrag. Wie könnte ich ihn nennen? Ah, Fotomädchen. Ich schrieb.

„Ein total merkwürdiges Mädchen, das mir ein Foto gegeben hat, das zeigt, wie ich einen Hammer im Kopf stecken habe. So was kann ich echt nicht gebrachen, obwohl sie ganz süß war. Is eben doch ein bisschen zu crazy die Kleine.“ Ich las mir den Eintrag noch mal durch. Dann nickte ich. Das war sie.

Am nächsten Tag wollte ich wieder blau machen, aber das Telefon weckte mich. Mein Chef drohte mit rauer Stimme, dass ich meinen Job vergessen könnte, wenn ich auch nur daran denken würde, noch mal unabgemeldet zu fehlen. Hm, was hätte ich da tun sollen? Das Argument war stickhaltig. Nicht, dass ich an dem Job gehangen hätte, aber man verdiente gut und irgendwie bracht man ja das Geld, nicht? Ich ging also hin. Was solls?

Es war stinklangweilig und fast wünschte ich mir, ich könnte kündigen, ging aber nicht. Was soll man noch erzählen? Am Donnerstag fing endlich der Handwerkerkurs an. Ich gehöre zu den Besten Handwerkern dort, die meisten sind absolute Anfänger …

Dann war irgendwie auch wieder eine Woche herum und es gab absolut nichts Wichtiges. Tja, am nächsten Donnerstag war dann die zweite Stunde von dem Handwerkerkurs. Ich arbeitete an einem Tisch. Der sieht richtig gut aus. Jedenfalls war ich gerade am schleifen, schön von Hand und mit feinem Schmirgelpapier, und bückte mich dabei ein bisschen, als ein gigantisches Gebrüll hinter meinem Rücken losging. Ich ignorierte es. Als ich dann aber einen heftigen Luftstoß an meinem Kopf spürte und nur Sekundenbruchteile später ein lautes `Plong´ hörte, sah ich doch auf. Es war alles so schnell passiert. In der Wand direkt vor mir prangte eine ziemliche Delle, in deren Mitte die eiserne Spitze eines Hammers steckte. Langsam löste sie sich und fiel mit einem lauten Knall auf den Boden. Zuerst starrte ich nur auf dieses Loch in der Wand. Aber schließlich drehte ich mich mit weit offenen Augen um. Das Ding hätte mich erwischen können! Ein Junge hinter mir, vielleicht siebzehn Jahre alt, schaute mich vollkommen entgeistert an und hielt einen zerbrochenen Hammerstil in der Hand.

11.6.07 12:38


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Patty Peach

Sabrina und ich planten ihre Geburtstagsparty für den 25.8.1978. Aufgeregt spielten wir in einem Kaffee in der Innenstadt alle Möglichkeiten durch. Wir wollten uns das Motorboot meines Vaters ausleihen - ob mit seiner Erlaubnis oder ohne - um eine kleine Spritztour auf dem nahe gelegenem Fluss zu wagen. Dad hatte mir schon früh gezeigt, wie man mit dem Steuer umging, aber bisher durfte ich niemals alleine fahren. Aber jetzt war ich neunzehn und meine Freundin wurde sie zwanzig und war schon längst erwachsen. Was könnte da noch dagegen sprechen? Wir wussten von nur einer Sache, die uns den Spaß verderben könnte und die war, wenn Dad nicht mitspielen würde. Aber das wäre auch nicht so schlimm, dann würden wir uns das Schiffchen eben ohne seine Erlaubnis borgen. Leider mussten wir schon bald erfahren, dass es noch eine Zweite Sache gab, die uns die Feierlichkeiten verderben konnte. Und die kam in Gestatt eines bleichen, unscheinbaren Mädchens.

Sabrina lachte: „Schreib noch gutes Wetter auf!“, meinte sie und deutete auf den Block, auf dem wir uns notiert hatten, was wir noch alles brauchten, als sie plötzlich neben uns stand und mir ein Foto vor die Nase segeln ließ. „Danke, wir werden uns gleich um die Rechnung kümmern“, winkte ich sie ab. „Das freut mich sehr für dich, ist aber nicht im Geringsten mein Anliegen“, war die trockene Antwort. Da sahen wir auf. Ein Mädchen stand an unserem Tisch, bleiche Haut, volle, rote Lippen, knallgrüne Augen und Kastanienbraune Haare. Eigentlich ganz hübsch, aber eben nichts besonderes, die Kleine. „Was willst du?“, fragte ich. Sie deutete auf das Foto, das sie mir vor die Nase geworfen hatte und das nun auf meinem Block lag. „Dass ihr den Unsinn abbläst.“ Ich schaute aufs Foto und fing dann an zu lachen. „Guter Witz! Und nun nimm dein bescheuertes Foto und zisch ab!“ Sie schüttelte nur den Kopf und noch im drehen meinte sie: „Es ist nicht mehr mein Foto, es ist nun deines.“ Ich sah sie niemals wieder. Und, mal ganz unter uns, eigentlich war ich auch recht froh darüber!

Während meines Gespräches mit dem seltsamen Mädchen hatte sich Sabrina das Foto geschnappt und war nun wie versteinert. Als sich meinen Blick endlich, kopfschüttelnd, von dem Mädchen, das im Gewühl verschwunden war, löste schaute ich meine Freundin an, die kreidebleich geworden war.

„Hey! Brie! Was hast du denn?“, fragte ich sie und sie streckte mir das Foto hin. „Das hat uns irgend so ne Durchgeknalltes Mädchen gegeben, na und?“ „Sieh’s dir an!“, ihre Stimme war nicht mehr als ein hauchen. Ich folgte ihre Aufforderung und versand ihre Reaktion. Aber das konnte und wollte ich vor ihr zugeben. Deshalb fing ich an zu lachen: „Das nimmst du doch nicht etwa ernst, oder?“ Darauf lächelte sie unsicher und stimmte mir dann zu.

In der Nacht schlief ich nicht so gut, ich glaube, ich hatte sogar einen Albtraum, was ich seit meinem siebten Lebensjahr nicht mehr hatte! Jedenfalls wachte ich gegen ein Uhr schweißgebadet auf. Mit zitternden Händen tastete ich mir über mein Gesicht, meinen Hals und meinen restlichen Körper. Dann erst wagte ich wieder zu atmen und seufzte erleichtert: Es war noch alles dran, alles in Ordnung! Also tastete ich nach dem Lichtschalter auf meinem Nachttischchen … irgendwie war jede meine Bewegungen so furchtbar träge, als ob ich mich in Gelee oder irgendwie so etwas befände … und schaltete das Licht an. Als das Licht trüb und dumpf durch mein Zimmer schien wollte ich schreien! Ich befand mich nicht länger in meinem Zimmer oder in meinem Bett, ich war tief unten ... tief unten im Wasser auf dessen Grund ich mein neues, nasses Bett hatte.

Schreiend setzte ich mich auf! Mein Atem ging schnell und unregelmäßig und ich traute mich nicht das Licht ein weiteres Mal anzuschalten, vielleicht war der Traum ja war geworden, oder ich schliefe immer noch … ein weiterer Traum in einem Traum, so etwas soll es ja geben! Ich zitterte am ganzen Körper, als mein Vater an die Türe hämmerte und meinen Namen rief … ich hatte abgeschlossen. Ich schaute mich um. Die Zeiger meines Weckers glühten in einem dumpfen, giftigen Leuchtendgrün und unter meiner Türe schimmerte ein wenig Licht vom Flur herein, gerade hell genug um mein Zimmer Schemenhaft zu erleuchten. Ich schloss die Augen und versuchte meine Decke zurückzuschlagen. Es glückte, es fühlte sich an, wie immer, nicht träge oder wie unter Wasser und ich lachte auf. Dann stieg ich aus dem Bett und schlurfte zur Türe, die ich aufschloss. Sofort stürmte mir mein Vater entgegen und nahm mich in seine Arme. „Was ist passiert?“, flüsterte er. Ich tastete nach dem Lichtschalter und versuchte mich aus seiner „Schraubstockumarmung“ zu lösen, zumindest so weit, dass ich wieder atmen konnte. „Nichts Großes .. hatte wohl nur einen Albtraum oder so ähnlich.“ „Albtraum?“ Ich legte den Lichtschalter um und eine Sekunde blinzelten wir beide ins grelle Licht. „Du hattest seit Jahren schon keinen Albtraum mehr!“ Meine Schultern zuckten. „Na und? Is doch nichts Großes!“ langsam nickte er und ließ mich los. Eine ganze Weile standen wir da und ich was seinem forschendem Blick ausgeliefert. „Na …“, sagte er schließlich. „Dann will ich mal wieder ins Bett gehen … Gute Nacht …“

Als er weg war drehte ich mich wieder zu meinem Bett, doch anstatt wieder schlafen zu gehen taumelte ich auf meinen Nachttisch zu und zog die oberste Schulblade heraus … ganz oben lag das Foto. Ich sah es mir noch mal an. Wolken türmten sich wie bedrohliche, schwarze Berge am Horizont und ganz zentral war das Schiff meines Vaters zu sehen und darauf zwei Personen, die ich sehr gut zuordnen konnte … Sabrinas langen, blonden Haare wehten im wilden Wind und sie hing über der Rehling, eine Hand nach einem Mädchen mit kurzen, rotbraunen Haaren, ausgestreckt, nach mir! Die Wellen griffen bereits nach mir und wollten mich verschlingen. Ich schluchzte kurz und setzte mich dann an meinen Schreibtisch. Dass ich heute Nacht nicht mehr schlafen würde, war mir klar, also entschloss ich mich dazu, meine Hausaufgaben zu machen.

Irgendwie war ich dann wohl doch eingeschlafen, weiß nicht … als dann der Wecker klingelte saß ich vor einem triefend nassen Heft. Tja, jedenfalls konnte ich das so nicht mehr mitnehmen. Folglich ging ich wieder einmal ohne Hausaufgaben zur Schule, was soll’s? Als ich dann in der Schule ankam wartete Sabrina bereits auf mich mit einem verzweifelten Versuch, mir unsere Bootstour auszureden, aber ich schüttelte nur den Kopf. Was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe, bleibt dort, bis es durchgesetzt ist. Jedenfalls .. der Rest des Schultages lief Ereignislos. Bis ich zu Hause war geschah überhaupt nichts Wichtiges. Und als ich dann die Haustüre aufschloss und in die Küche ging, wo ich eigentlich mein Mittagessen erhofft hatte, sah ich meinen Vater da sitzen, den Kopf in den Händen. Ich setzte mich neben ihn und er sah mich an. Dann schob er ein Stückchen Papier zu mir: das Foto. Ich sprang auf. „Warum gehst du ohne Erlaubnis in ein Zimmer? Was soll das?!“ Er blieb völlig unbeeindruckt. „Was ist das?“ „Ein Foto würde ich mal sagen!“ „Was. Ist. Das?“ „Ein … hm, Kunstprojekt! Fotomontage!“ Er nickte. „Ich verstehe.“ Ich atmete erleichtert auf, doch er fing wieder an. „Patrizia, warum lügst du mich an?“ Ich starrte ihn an. Meinen vollen Namen verwendet er immer nur, wenn er wütend oder enttäuscht ist. „Tu ich das?“ Er nickte. „Woher hast du das Foto?“ „Ich … hm … also … Mann! Was soll das? Ich hab das Bild von irgendeiner Irren auf der Straße bekommen! Mach keinen solchen Wirbel drum, es hat nichts zu sagen!!!“, schrie ich, griff mir das Foto und rannte aus dem Zimmer.

Irgendwie rückte dann Sabrinas Geburtstag immer näher, ohne, dass ich weiter wegen des Fotos genervt wurde. Aber meinen Vater nach dem Schiff zu fragen hatte ich mich immer noch nicht getraut, aber so langsam musste ich damit rausrücken! Gott, wie ich das Mädchen hasste! Sie hat alles nur verkompliziert!

Am Abend zwei Tage vor der geplanten Tour rückte ich schließlich damit heraus. Aber wie es zu erwarten war machte mein Vater Zicken. Wir schrieen uns nur noch an und die folgenden Tage redeten wir nicht mehr miteinander. Am 24. hörte ich den Wetterbericht: Nirgends war ein Sturm vorhergesagt! Alles Bestens! Und einen Plan, wie ich an den Schlüssel käme, hatte ich auch schon! Der großen Fahrt stand also nichts mehr im Wege. Na ja, fast nichts: Sabrina äußerte „vehemente Zweifel“ gegenüber unseren Plänen, aber ich würde sie schon zu überzeugen wissen!

So kam ich an besagtem Tag zu ihr. Als sie mir öffnete hielt ich ihr mit einem breiten Grinsen die klimpernden Schlüssel vor die Nase. Sie starrte sie einen Augenblick an, aber dann schüttelte sie mit einem entschiedenem „Nein!“ Den Kopf und schmiss mir die Türe vor der Nase zu. Ich lachte nur. „Na gut! Dann bleibst du hier! Aber eine Spazierfahrt mit dem Schiff ist für heute vorgesehen! Mit dir oder ohne dich!“ Schon als ich mich zum Gegen umgedreht hatte öffnete sich die Türe wieder. „Wartest du noch? Ich … muss mich noch umziehen“

Ich lehnte mit einem triumphierenden Grinsen an der Tür und sah ihr zu, wie sie ihre Schuhe anzog und ihre Jacke überschmiss; alles mit gesenktem Blick und völlig in Gedanken. „Bist du so weit, Brie?“ Sie nickte und dann sah sie mich an, ihr Blick wurde kämpferisch und sie wiederholte ihr nicken noch mal entschlossener. Ich lachte. „Du siehst ja aus, als würdest du in einen Kampf ziehen! Entspann dich! Es ist dein Geburtstag!“

So fuhren wir dann zum Hafen und betraten das Boot, machten es fertig, wie es mir mein Vater beigebracht hatte, starteten es und fuhren hinaus aufs Wasser. Sabrinas Stimmung war immer noch gedrückt, aber meine war auf dem Höhepunkt. Während ich steuerte jauchzte und jubelte ich ausgelassen. Es war schon nicht schlecht, das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, aber jetzt, im Nachhinein frage ich mich doch, ob es das wirklich wert war. Na ja, ich kann’s nicht mehr ändern!

Tja, ich feierte Bries Geburtstag ausgelassen und sie schaute sich immer und immer wieder um, ob sie nicht vielleicht irgendwo potentielle Gefahr antreffen würde … sie kam! In Form von riesigen, aufgebäumten und pechschwarzen Gewitterwolken. Und so kam es denn, wie es kommen musste: wir kenterten.

Es war noch so harmlos, als es anfing! Einige, wenige Wassertropfen, die uns trafen. Sabrina meinte sofort, wir sollten wieder zurückfahren, aber ich war dagegen, ich meinte, sie würde eine Mücke zum Elefanten machen, übertreiben! Ich fuhr noch weiter raus. Mein Gott, wir hätten es noch schaffen können! Jedenfalls … der Regen wurde immer und immer stärker und als auch ich bis auf die Knochen durchgeweicht war gab ich endlich nach und steuerte zurück. Drei Mal ist mir der Motor abgewürgt, dann hatten wir endlich den Kurs, den wir wollten, glaubte ich zumindest. Die Wellen warfen das Boot derweil immer schlimmer hin und her, so dass selbst ich Seekrank wurde und wir uns kaum noch auf den Beinen halten konnten. Der Boden wurde uns unter den Füßen weggezogen, es war ein Albtraum ... nein, das war es leider nicht! Und dann kam diese Welle … sie war gigantisch und schien gerade auf mich zu zielen. Sie riss mich vom Steuer weg und schmiss mich an die Rehling an der ich hart auftraf. Sofort fühlte ich an meinem Hinterkopf nach Blut und tatsächlich hatte ich dort eine Wunde, eine kleine nur, und dann schlug uns eine andere Welle an die Bootseite. Ich schwöre, wir standen fast Senkrecht um Wasser! Ich schlitterte über den Boden und schlug an der anderen Seite wieder hart auf. Sabrina schrie auf, sie war so klug und hielt sich in Deckung, ganz fest drückte sie sich an eine Wand. Ich wollte ihr zurufen, dass alles wieder gut würde, dass wir es nur aussitzen bräuchten, aber ich schaffte es nur mich aufzurichten, da kam die nächste Welle. Sie flog mir entgegen und ich starrte sie nur an. Dann brach sie auf das Deck; mit einer Wucht, die mich von den Füßen und über Deck riss. Sofort war Sabrina an der Rehling und streckte ihre Hände nach mir aus, doch zu spät, die Wellen griffen bereits nach mir um mich in mein nasses Grab zu ziehen. Aber nicht nur mich. Schemenhaft sah ich, wie sich eine weitere Welle aufbäumte und aufs Deck niederschlug. Sabrina wurde überrascht und ich hörte nur noch ihr hartes Aufkommen auf dem Wasser. Für sie versuchte ich zu schwimmen, aber es gelang mir nicht, die Strömung drückte mich hinunter und die Kälte betäubte meine Sinne. Meine Gedanken wurden immer langsamer … und langsamer … und …

Das schlimmste war nicht mein Tod … durch meinen Übermut und meine Ignoranz hatte ich ihn wohl verdient, aber was ich mir niemals vergeben werde ist, dass ich nie auch nur in Betracht gezogen hatte, dass es auch Sabrina das Leben hätte kosten können. Aber so war es. Sie hatte bei ihrem Aufprall das Bewusstsein verloren und ertrunken, mein Gott, sie hat es sicher nicht verdient! Und sie kam doch nur mit, weil sie mich beschützen wollte! Und mein Vater? Er hat es nicht verkraftet. Er begrub mich mit dem Foto und mit mir auch sein Leben. Kurze Zeit später beging er Selbstmord.

22.6.07 11:11





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