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Devlin O’Conner

Leute, sie war heiß! Wirklich heiß! Ich meine, diese temperamentvoll im Wind wehenden rötlichen Haare, diese vollen, kirschroten Lippen, diese unschuldigen Augen. Sie war echt heiß! Sie hatte eine harmlose, naive Ausstrahlung, aber hatte es faustdick hinter den Ohren! Ich glaube, mit ihr habe ich ein wenig an der Ewigkeit geschnuppert. Sie weiß etwas, Leute, das weit außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt, da bin ich mir sicher. Das ändert aber nichts daran, dass ich ihr die Schuld an meinem Tod gebe. Sie hat mich umgebracht!

Ich war in der Blüte meines Lebens, neunzehn Jahre! Schule zu Ende, kurz davor, die Lehre anzufangen, die Mädels lagen mit zu Füßen. Ich hatte viel geplant. Sehr viel! Und dann kam sie. Nicht, dass ich mich in sie verliebt hätte, aber sie war heiß. Sie war keine von denen, die man von der Bettkante stieß. Natürlich auch keine von denen, die man länger als ein, vielleicht zwei Nächte behielt, aber eben doch eine, die man abschleppen wollte. Das Problem war nur, sie zierte sich! Nicht, dass sie mich nicht auch gewollt hätte, aber sie hat sich einfach nur geziert.

Es war ein lauer Frühlingstag, an dem wir uns das erste Mal begegneten. Kitschig, aber wirklich wahr. Sie wartete auf mich, in der Nähe der Strandpromenade. Leider ohne Bikini, darin hätte ich sie echt gerne gesehen! Meine Kumpel meinten, sie hätte schon ne Weile da gestanden, und hätte mich sofort beobachtet, als ich gekommen war. Ich sag doch, sie wollte mich auch. Jedenfalls fiel sie mir sofort auf. Sie hatte so eine geheimnisvolle Ausstrahlung und war einfach nur faszinierend. Dann winkte sie mich zu sich. Ich grinste, ging zu ihr und streckte mir meine Hand hin. „Hallo, meine Hübsche, was kann ich für dich tun?“ „Ich habe hier etwas für dich.“ „Ich habe auch etwas für dich“, sagte ich mit verführerischem Blick und kam ihr näher. Sie schreckte erstaunt zurück. „Was d …“ Weiter kam sie nicht, denn ich drückte ihr einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen, der leider kein Stück erwidert wurde. Als unsere Münder sich wieder trennten sah sie mich fassungslos an und brachte kein Wort heraus. „das war doch nicht etwa dein erster Kuss, oder, Süße?“ Ich freute mich schon fast darüber, denn einem Mädchen den ersten Kuss zu rauben hat einen ganz besonderen Kick. Wenn sie ihn denn erwidert merkt man sofort, ob sie Talent dazu hat, eine gute Küsserin zu sein. Alles liegt schon in diesem einem Kuss. Sie aber schüttelte nur benommen den Kopf. Dann sah sie mich an und stammelte irgendetwas von um die 300 Jahre her, Italiener und charmant. „Es bleibt mir eben nicht so viel Zeit für solche Dinge.“, sagte sie dann noch und mit einem tiefen Blick und meiner Hand an ihrem Kinn sagte ich ihr, sie solle sich einfach die Zeit für uns beide nehmen. Sie entglitt auf eine wirklich süße Art meiner Hand und meinte dann, sie würde nichts mit Klienten anfangen. Als ich nachfragte, da ich ja nicht wüsste der Klient von irgendjemandem zu sein, reichte sie mir etwas. Ich sah es mir an.

Es war eine Art Foto oder so, war recht interessant, und schön blutrünstig. Da lag ein Junge in zwischen Scherben und Blut und in seinem Hals klaffte eine gigantische Scherbe. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie das Mädchen sich zum Gehen wand und fasste schnell ihren Arm. „Moment, meine Hübsche. Du kannst doch nicht einfach gehen.“ Sie sah mich etwas zickig an. „Ach nein?“ „Nein. Ich weiß doch noch gar nichts von dir. Außer dass du mal etwas mit einem Italiener hattest. Wie heißt du denn überhaupt?“ Sie schwieg. „Gut, willst du also noch nicht sagen, finde ich OK.“ Fand ich eigentlich nicht. „Aber sag mal, willst du nicht was Schönes mit mir unternehmen?“ Sie grinste fies. „Hör mal, Kleiner, ich bin zu alt für dich.“ Ich lächelte. „Liebe kennt kein Alter und ich bin mir sicher, dass es nicht so gravierend ist.“ Sie lachte. „Stimmt, die paar tausend Jahre sind wirklich kein Grund.“ Ich überging die Altersangabe weitestgehend. „Sag ich doch. Also? Was sagst du?“ „Dass das eine dumme Idee ist.“ Ich war langsam wirklich genervt von diesem Mädchen. „Dann sag mir doch wenigstens, was ich mit diesem Foto soll.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Liegt ganz bei dir.“ „Wer ist eigentlich die arme Sau da?“ Da sah mich dieses Mädchen vollkommen erst an und sagte nur ein Wort: „Du.“ Ich fühlte mich, als hätte sie mir in die Eier getreten. Trotzdem schaute ich mir das Bild noch mal an und mir wurde wirklich flau im Magen: Sie hatte Recht. Dieser Junge auf dem Foto, der war ich.

Ich sah abwechselnd immer das Mädchen und das Foto an. „Was ….? Woher, nein, wie? Was? Was!“ „Ein Foto, aus meiner Kamera, mit dem kleinen Knöpfchen, dem Auslöser der Kamera.“ Ich starrte sie an. Hätte echt nicht gedacht, dass sie so fies ist. Ich verstärkte meinen Druck auf ihren Arm und sah ihr eindringlich in die Augen. „Was ist das für ein Foto?“ Sie schien den Druck an ihrem Arm gar nicht zu spüren. „Es zeigt dich, wie du sterben wirst.“ „Das sehe ich auch, verdammt! Wie kommst du an so etwas?! Und komm bloß nicht wieder mit dem scheiß mit der Kamera!“ Sie klappte ihren Mund zu. Sie wollte das eindeutig sagen. Dann überlegte sie kurz. Dann nickte sie. „Das ist mein Beruf, nicht mehr, nicht weniger. Ich bekomme diese Fotos und händige sie an die entsprechenden Leute aus. Die entscheiden dann, was sie damit machen.“ „Also kann ich es auch zerreißen?“ Ihr Auge zuckte, doch sofort hatte sie sich wieder unter Kontrolle. „Ja, darfst du.“ „Ohne Konsequenzen?“ „Nur dass ich meinen Respekt vor dir verliere.“ Ich lächelte. „Das wollen wir natürlich nicht. Also, was kann ich tun?“ „Eigentlich alles.“ Ich kam ihr wieder näher, doch dieses Mal schreckte sie zurück und legte mir ihre zarte, kalte Hand auf meinen Mund. „Fast alles“, berichtigte sie sich. Ich grinste. „Also, ich weiß nicht, was ich mit diesem Foto machen soll, aber ich werde es behalten, weil es das einzige ist, was mich an dich erinnert.“ Sie verdrehte die Augen und zuckte mit den Schultern. Dann nickte sie auf ihren Arm, den ich immer noch fest hielt. „Ich muss weiter.“ Ich zog sie ganz nah an mich heran. „Bekomme ich keinen Abschiedskuss?“ „Nein“ „Komm schon.“ „Nein“ Wie ihr sicher wisst meinen normale Mädchen ja, wenn sie nein sagen. Also zog ich sie noch enger zu mir und spitze meine Lippen. Sie war aber nicht normal. „Nein!“, rief sie und schupste mich so zurück, dass ich fast mein Gleichgewicht verlor. Sekundenlang rang ich Halt und sicheren Stand, doch dann stürzte ich und stieß mit dem Kopf hart an die kleine Mauer, die die Promenade von dem eigentlichen Strand trennte. Dort liegend rang ich nach Luft. In den Sekunden in denen ich mit dem Tod rang sah ich, wie das Mädchen das Foto nahm, das ich fallen gelassen hatte, als ich versuchte mein Gleichgewicht wiederzuerlangen. Ich sah, wie sie traurig auf das Foto und dann auf mich sah. Dann setzte sie sich neben mich, nahm meine Hand und weinte. Ich sah auf das Foto, das nun sie in der Hand hielt: Es zeigte sie und mich in der Situation von eben: Sie schupste mich und ich stürzte. Da wurde mir klar, was das bedeutete. Ich würde sterben. Heute, hier, jetzt!

Ich dachte immer, es würde kalt werden, wenn man stirbt, aber bei mir war das anders. Ihre kleine, zierliche Hand füllte mich, obwohl sie selbst fast so kalt war wie der Tod selbst, mit einer warmen Ruhe und einem wundervollen Frieden. Ein sanfter Trost. Ich versuchte etwas zu sagen, sie anzusehen, doch nichts gelang. Sie aber lehnte sich über mich und als ich mein Leben aushaute hauchte sie mir einen tränennassen Kuss auf die Stirn.

11.11.07 18:53


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Andrew Johnson

Langsam drehte ich meinen Kopf zur Seite. Mir war absolut elend zu Mute und ich hatte Angst, dass ich wirklich sie sehen würde. Sie, die mir Fotos gab, die meinen Tod abbildeten. Zwei Mal war ich ihr nun schon von der Schippe gesprungen. Der Hammer, die Alkoholvergiftung. Ich hatte Angst, was als nächstes käme.

Ich meine, ich lag, frisch aufgewacht, nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus, vollkommen wehrlos, und neben mir das Mädchen, das mir das eingebrockt hatte. Sie blätterte lässig und desinteressiert in einer alten Zeitschrift, ein Foto lag neben ihr auf meinem Nachttisch. Ich heulte. „Warum verfolgst du mich?“ Sie schüttelte den Kopf. „Du tust ja gerade so, als hätte ich Spaß daran.“ Ich starrte sie an und versuchte mich aufzurichten. „Na klar! Genau den Eindruck machst du ja auch!“, brüllte ich. Sie lachte ein bisschen. Dann wurde sie augenblicklich wieder ernst. „Es ist mein Job und den führe ich aus. Das ich dir dabei begegne kann ich auch nicht ändern.“ Ich starrte sie an. Für ihre gerade Mal sechzehn Jahre hatte sie einen sehr krassen Job! „Das sehe ich anders. Aber wie kommt man eigentlich zu so einem Job? Durch Papi?“ Sie schaute überrascht von der Zeitschrift auf und mir direkt in die Augen an. Dann nickte sie. Ich musste lachten „Ernsthaft?! Und wie lange machst du das schon?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe ihn, seit ich denken kann“ Ich lies die Antwort gelten und ging zum nächsten Thema über: „Seit wann sitzt du hier?“ Sie legte die Zeitschrift weg und stand auf. „Oh, ich bin gerade erst gekommen. Ich muss auch gleich wieder los.“ Sie hielt mir das Foto hin. „Ich wollte dir das nur eben persönlich geben. Gute Besserung übrigens.“ Ich sah mir das Foto an und musste lachen. Dieses Mädchen hatte immer sehr ausgefallene Sachen für mich geplant. Und immer bringt sie mir die Fotos, fast so wie ein Briefträger, oder ein Bote.

Mit dem Gedanken schlief ich ein.

Als ich später wieder aufwachte, war mein erster Gedanke `Todesbotin´. Ich überlegte kurz. Das passte zu ihr. Endlich hatte ich einen Namen, oder vielmehr eine Bezeichnung, für dieses merkwürdige Mädchen gefunden: Todesbotin! Nicht perfekt, aber hey! Mir reichte es! Und ich hatte nicht vor, sie jemals wieder zu sehen.

Laut dem Doc durfte ich dann auch nach Hause gehen, aber ich sollte mich in Zukunft vom Alkohol fern halten. Gar nicht einfach. Vor allem musste ich mich dafür von der kleinen Todesbotin fern halten und die wollte irgendwie nicht von mir lassen! Haha! Auf der Anderen Seite hatte mir unsere letzte Begegnung sehr auf den Magen geschlagen. Vielleicht würd ichs ja doch schaffen und trocken werden.

Meinen Job war ich übrigens los, nachdem ich drei Tage unentschuldigt gefehlt hatte. Der Typ ist ein Arschloch! Ich will ihn mal sehen, wenn er zwei Tage lang weggetreten ist und am dritten gleich den nächsten Tod vorhergesagt bekommt. Wann hätte ich mich denn entschuldigen sollen? Davor? Das kann ich mir lebhaft vorstellen! „Sorry, Chef, ich will mich mal eben zu Tode saufen, wir sehen uns in der Hölle … oder in einer Woche, falls ich es nicht schaffen sollte!“ Ich kann ihn nicht leiden!

Tja, ich war dann also beim Arbeitsamt. Die konnten mir nur leider auch nicht helfen und vertrösteten mich nur. Auf solche Leute kann ich echt verzichten. Der einzige Job, den sie mir anbieten konnten war ein Kabelschlepper für irgendeinen Fernsehrsender, aber den lehnte ich ab. Warum? Nun, ganz einfach, das Foto, das mir die kleine Todesbotin gegeben hatte zeigte mich, wie ich über ein Kabel stolperte und anschließend eine Treppe hinunter fiel. Mittlerweile war ich davon überzeugt, dass an den Fotos was dran war. Wie viel dran war, wusste ich noch nicht. Letzten Endes waren die abgebildeten Situationen eingetroffen, wenn auch mit einem anderen Ausgang. Konnte das ernsthaft nur ein Scherz sein?

Ich glaube, ich nehme sie jetzt ernst, die kleine Todesbotin.

Das Bild an sich habe ich nicht mehr. Die Schwestern des Krankenhauses haben es weggeschmissen, als ich schlief. Aber ich weiß noch, was es zeigt. Und ich wäre schön blöd gewesen, wenn ich dann den Job angenommen hätte.

Hm, ich habe ihn angenommen. Sie hatten nichts anderes für mich und ohne Geld überlebt’s sich schlecht. Außerdem ist das Studio, wie ich mit Freude feststellte, im Erdgeschoss. Und nur im Erdgeschoss. Ha! Glück gehabt! Das Foto hatte sich geirrt. So konnte mir nichts passieren. Es sei denn, das Foto zeigte einen anderen Ort … oh Mann! Na ja, ich würde genau aufpassen, wohin ich ging. Übrigens hatte ich eine echt heiße Kollegin, sie war Kamerafrau und wirklich eine Wucht. Sie hat hellblonde Haare, die ihr bis zu ihrem Knackarsch reichen und sie steht auf mich, als nichts wie ran!

Ich brauchte nicht einmal eine Woche, bis ich sie so weit hatte, mit mir auszugehen. Schön Essen gehen und dann zu ihr nach Hause.

Sie schloss die Haustür auf und wir gingen das dunkle Treppenhaus hoch, bis zum dritten Stock, wo ihr Apartment lag. Ich überlegte kurz. Mir war so, als hätte ich etwas vergessen. Kondom? Nein, das hatte ich dabei. Was war’s denn dann?

Als sie gerade die Türe aufschließen wollte, trat ich auf etwas dünnes, was sich sofort verschob. Ich bekam einen riesigen Schreck und verlor das Gleichgewicht. Ich ruderte mit den Armen in der Luft herum, als plötzlich ein Arm auf mich zuschoss und mich fest hielt. Ich schaute in die panisch aufgerissenen Augen meiner Kollegin, die es irgendwie geschafft hatte, meinen Arm zu fassen und fest zu halten. Sie zog mich zurück auf die Treppe. „Was ist passiert?“, fragte sie, immer noch bleich vor Schreck. „Ich … ich nehme an, du hast mir das Leben gerettet.“, kam es von mir. Dann drehte ich mich um und schaute auf den Treppenansatz. Dort lag sorgfältig zusammengelegt ein Kabel.

22.11.07 11:48





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