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Ivy Arrow

Also, so etwas hatte ich noch nie erlebt! Ich meine, dass ich plump angemacht werde, daran bin ich gewöhnt, schließlich bin ich eine sehr attraktive, junge Frau, aber das, was an diesem tag passiert ist, unglaublich! Dieses Mädchen! Skandalös! Spricht mich einfach auf offener Straße an. Ordinäres Gör! Allein schon ihre Kleider! Jeans und ein rosafarbendes Shirt mit einer braunen Cordweste. Ordinär! Ich will nicht wissen, wann das mal modern war! Sicher ewig her! Ha!

Und dann erdreistet sich dieses Gör, mir ein Foto zu geben, das mich zeigte, was weiß ich, was das darstellen sollte. Eine Drohung, vermute ich. Dieses Gör ist wahrscheinlich eine meiner Neiderinnen. Biest!

Ich meine, dieses Kind kommt auf einem Menschenvollen Platz zu mir und sagt: „ich habe etwas für dich“ Und ich antworte noch so respektvoll: „Sicher ein Irrtum, Fräulein. Und nun gehen sie bitte.“ Dann wollte ich weiter gehen, dreistes Gör! IN ihrem Alter hat dieses Mädchen eine Frau wie mich respektvoll zu behandeln und zu siezen! Und was macht sie? Gerade, als ich gehen wollte, stellt sie sich mir in den Weg und meint: „Du bist aber Ivy Arrow, 23 Jahre?“ Ich sah sie genau an. So langsam nervte dieses Mädchen. „Und wenn?“ „Dann ist das für dich.“, sagte sie und reichte mir dieses Foto. Ich wollte es mir anschauen und nahm es. Sie war sofort einen Schritt zurückgegangen und als ich es ihr wiedergeben wollte, machte sie keinerlei Anstalten, es zu nehmen. Gör! „Was soll das denn sein?“, fragte ich, aber bevor sie antworten konnte, obwohl sie nicht so aussah, als hätte sie antworten wollen, brüllte jemand „Todesbotin!“ Erstaunt sahen wir dort hin, von wo dieser Schrei kam. „Todesbotin?“, fragte das Gör, als der junge Mann, der das gerufen hatte, auf uns zukam. Ich musterte ihn. Er sah recht gut aus. „Wie kommst du darauf?“, fragte das Gör weiter und er zog seine starken Schultern hoch. „Passt doch“, meinte er. „Und, hey! Wie ich sehe, bist du das nicht nur für mich.“ Er wand sich zu mir und deutete eine Verbeugung an. „Was haben Sie denn?“, fragte er dann und drehte meine Hand so, dass er das Foto sehen konnte. Oh, sein Griff war sanft und doch bestimmt. Es schauderte meinen ganzen Körper vor Erregung. Was anschließend kam war nicht so angenehm. „Oh, überlaufen! Das ist hart!“ Dann lachte er. Meine gesamte Sympathie und Erregung hatte sich schlagartig aufgelöst. Der Typ war nicht ganz dicht. Er sah zwar gut aus, aber er war ein echter Kindskopf. Trotzdem war es informativ, was er sagte, denn er deutete an, dass er selbst auch schon Fotos von diesem Mädchen erhalten hatte. „Aber … sie leben noch?“, fragte ich und er lächelte. Der Typ war total aufgedreht. „Und wie! Ich hab bisher alles überlebt.“ Dann meldete sich das Gör wieder sehr ernüchternd zu Wort: „Glück“, sagte sie. Ich hatte sie gerade fast vergessen. Ich wollte gerade etwas sagen, aber der junge Mann ignorierte sie und gebannt damit, mich anzumachen … er war also doch wie die anderen, nur noch sonderlicher. „Wie wäre es mit einem date, wenn Sie überlebt haben? Dann erzähle ich Ihnen von meinen Erlebnissen!“ Warum hatte ich nur das Gefühl, dass er gar nicht wollte, dass ich überlebte?! „Wo wir gerade beim Thema sind, für dich habe ich auch noch eins!“

Was passierte hier gerade? Das Gör reichte dem Jungen auch ein Foto.

Ich dachte, ich würde verrückt werden. Flirteten die beiden gerade? War er nicht mit dem Ziel gekommen, mir Avancen zu machen? Irgendwann zog die Göre beleidigt ab. Ich war wirklich froh darüber. Dann wandte er sich wieder mir zu. „Also, wie wäre es? Ich gebe Ihnen meine Nummer und wenn Sie es dann überlebt haben, lade ich sie ein, mit mir Essen zu gehen!“ Noch bevor ich antworten konnte hatte er sich mein Foto geschnappt und war dabei, seine Nummer aufzuschreiben.

„Wollen Sie denn nicht sehen, was Ihr Foto zeigt?“, fragte ich, bevor ich überhaupt wusste, was ich tat. Er nickte und sagte irgendetwas wie dass meine Schönheit seine Augen fesseln würden. Was für ein Schwachsinn! War er tatsächlich der Meinung, dass etwas Derartiges bei uns Frauen ziehen würde? Trotzdem lächelte ich. „Es würde mich interessieren, was Ihnen vorher gesagt wurde.“ Wir sahen uns einen Augenblick an und ich lächelte. Tja, das Lächeln einer Frau bringt jeden Mann in die Knie. Dann betrachteten wir das Foto. Er schien fast ein wenig … enttäuscht. Dann schien ihm etwas Wichtiges einzufallen und er hatte es plötzlich sehr eilig. Er küsste mir die Hand und ließ sich entschuldigen. Dann rannte er wie ein Berserker in die gleiche Richtung, in die das Gör gegangen war und ließ mich einfach stehen.

Ich war ziemlich wütend. Er lief ihr nach. Wie ein Hund. Ich würde ihn nicht anrufen. Was sollte ich auch mit einem Mann, der seine Exfreundin nicht vergessen konnte, denn ihre Beziehung schien mir eine typische Beziehung zwischen Verflossenen zu sein. Sie konnte ihn nicht leiden, vermutlich hatte sie diese Beziehung auch beendet, und er sie nicht vergessen.

Ich sah auf das Foto. Aber irgendwie sah ich nicht das Foto, sondern nur die Nummer, die der junge Mann geschrieben hatte. Andrew, stand da. Nur Andrew. Ich musste wieder an seine breiten Schultern denken und an seinen Griff. Ich fuhr mir über meinen Arm. Er kribbelte immer noch, ich schien fast diese Berührung noch zu fühlen, obwohl er gar nicht so fest angefasst hatte. Es war ein außergewöhnliches Gefühl. Und diese Augen, voller Energie und Kraft. Ich merkte, wie ich begann, mich nach ihm zu sehnen. Doch dann rief ich mir wieder dieses Bild in Erinnerung, wie er mit diesem Gör, Todesbotin, wie er sie nannte, umgegangen war. Nein, in seinem Leben war kein Platz für eine weitere Frau. Und doch … ich war gewohnt zu bekommen, was ich wollte. Und ihn wollte ich, zumindest wollte ihn in Teil von mir. Ich drückte das Foto ganz fest an mich und seufzte. Wollten wir mal sehen, was noch geschieht. Vielleicht rufe ich ihn ja morgen an, oder übermorgen. Nächste Woche, oder nächstes Jahr, wenn er dieses Gör endlich vergessen hat. Zärtlich schob ich dieses alberne Foto mit dieser wichtigen Nummer in die Tasche meines Mantels. Andrew …

 

Das war mein Treffen mit diesem Gör. Wie weit reichend dieses Treffen war, wurde mir jedoch erst am Ende der Woche bewusst. Wie jedes Wochenende ging ich jenen Samstag in die Stadt um shoppen zu gehen. Es war ein Genuss und eine gute Art, mich abzulenken. Und nach der Begegnung mit diesem Gör hatte ich wirklich alle Ablenkung, die ich bekommen könnte, nötig. Ich hatte mich richtig aufgestylt, schließlich ist das Kaufhaus der Ort, an dem die Neider dich zu Gesicht bekommen. Es war aber mehr Gedränge als sonst und so schubste mich jemand und ich konnte das Gleichgewicht auf den Zwölf-Zentimeter-Absätzen nicht halten. Ich strauchelte und fiel zu Boden. Menschen sind stur, neidisch und rücksichtslos und noch schlimmer sind Frauen, die beim Einkaufen sind. Es begann mit ein paar spitzen Absätzen, die sich in meine Haut bohrten. Ich legte mich möglichst flach hin und schütze mein Gesicht mit meinen Armen, doch es nutzte nichts. Jedes Mal, wenn mich ein Absatz traf und eine Wunde hinterließ, stöhnte ich vor Schmerzen und ein Teil meiner Kräfte schwanden. Ich bin bekannt für meine Schönheit, nicht für meine Stärke, so hielt ich mich nicht lange am Leben fest. Ich wollte nur noch, dass es vorbei wäre und in meinen letzten Sekunden kam es mir vor, als wären es lauter Todesbotinnen, die lachend über meinen Körper stiegen und mich Stück für Stück dem Tod entgegen brachten. Mit einem Seufzer ließ ich mein Leben los. Unspektakuläres Ende, ich weiß, aber so ist es gewesen und mehr lässt sich dazu nicht sagen.

11.7.08 13:18


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Andrew Johnson

Meine liebe Kollegin hatte nach dem Vorfall mit dem Bungeejumpingseil beschlossen, dass wir uns nicht mehr sehen wollten. Sie meinte, das würden ihre Nerven nicht aushalten und ich fand sie eh ein bissel zu hysterisch. War also kein großer Verlust.

An dem Tag nach dem Unfall beim Bungeejumpen saß ich in einem Café und las die Zeitung. Dort stand ganz groß: Mann beim Bungeejumping umgekommen. Daneben ein Bild des Mannes, den ich ganz klar als den Mann identifizierte, den Christin vorgelassen hatte. Irgendwie tragisch. Eigentlich hätte ich sterben sollen, aber er war nun tot. In dem Artikel hieß es, dass er sehr oft sprang und an dem Tag einfach nur Pech gehabt habe. Zwar fiel er ins Wasser, aber so ungebremst, dass er vermutlich das Bewusstsein verlor, eventuell sogar verstarb. Man ginge aber davon aus, dass er ertrunken war. Genaueres wisse man erst nach der Obduktion. Ich musste lachen. Na, wenn das Mädchen das hören würde. Oh, Moment, war sie das nicht? Ich sprang auf und rannte zu einem jungen Mädchen, das die gleichen Klamotten an hatte, wie die kleine Todesbotin bei jeder unserer Begegnungen. Sie unterhielt sich gerade mit einer Frau, die etwa mein Alter war … also um die 25 Jahre.

 

„Hey, Todesbotin!“, rief ich. Ich musste lachen, als sie tatsächlich darauf reagierte. „Todesbotin? Wie kommst du denn schon wieder darauf?“, fragte sie. Ich zuckte mit den Schultern. „Passt doch! Und hey! Wie ich sehe bist du das nicht nur für mich.“ Ich wendete mich der Frau zu, bei der ich ein Foto entdeckt hatte. „Was haben Sie denn?“ Ich drehte die Hand der Frau leicht zu mir und sah mir das Bild an. „Uh! Überlaufen! Das ist hart.“ Ich lachte. „Meine waren auch recht interessant Stellen sie sich vor, bei meinem ersten Foto hatte ich einen Hammer im Hinterkopf!“ Sie schaute mich ein wenig befremdlich an. „Aber … sie leben noch, oder?“ „Und wie! Ich hab bisher alle überlebt!“ „Glück!“, kam es von der Todesbotin. Ich ignorierte sie und lächelte die junge Frau an. „Wie wäre es denn mit einem Date, wenn sie das Foto überlebt haben? Dann erzähle ich ihnen von meinen Erfahrungen.“ „Wo wir gerade beim Thema sind“, meldete sich die Todesbotin. „Für dich habe ich auch noch eins.“ Ich schaute sie an. „Noch eins? Rechts nicht langsam?“ „Beschwer dich nicht, Andrew. Wenn du endlich mal dein Leben in den Griff bekommen und etwas sicherer leben würdest, käme ich auch seltener zu Besuch!“ „Aber ich freu mich doch über deinen Besuch! Nur die Mitbringsel könntest du mal weg lassen!“ „Andrew?“, sie sah mich zuckersüß an. Dann aber schlug der Blick plötzlich um. So kalt war ihr Blick noch nie! „Krepier endlich!“ „Was?!“, ich was fassungslos. „Mein Gott, ist doch wahr! Ich wünsche ja niemanden etwas schlechtes, aber du fängst echt an zu nerven!“ „Aber ich will nicht sterben!“ „Dann hör eben auf, die Fotos weg zu werfen!“ „Aber so überlebe ich doch!“ Mit einem „PAH!“ zog die kleine Botin dann ab und ließ mich irritiert zurück. Was genau war hier gerade passiert?

 

Ich fasste mich wieder und wendete mich meiner neuen Bekannten zu. „Also, wie wäre es? Ich gebe Ihnen meine Nummer und wenn Sie es dann überlebt haben lade ich Sie ein, mit mir Essen zu gehen!“ Noch bevor ich ausgesprochen hatte, hatte ich bereits meine Nummer auf ihr Foto geschrieben. „Wollen Sie denn nicht sehen, was Ihr Foto zeigt?“, fragte sie dann.  Ich nickte. „Sobald Sie meine Augen frei lassen, die sie mit Ihrer Schönheit gefesselt haben.“ Kitschiger Scheiß, ich weiß, aber bei den Frauen zieht so etwas. Ich hielt kurz inne. Irgendetwas war passiert. Früher fühlte es sich richtiger an, solche Sachen zu sagen. Jetzt war es irgendwie … nicht mehr ernst gemeint. Es fühlte sich fast danach an, als würde ich jemanden betrügen. Ich hatte eigentlich kein Interesse an dieser Frau. Sie aber lächelte. Ich erwischte mich dabei, dass ich hoffte, dass sie sterben würde, nur, damit ich sie nicht treffen müsste. Das erschreckte mich.

„Es würde mich aber interessieren, was Ihnen vorher gesagt wurde.“, sagte sie. Das riss mich wieder aus den Gedanken. Ich nickte und wir sahen uns das Foto an. Es war ein Autounfall. Ich wer ein wenig enttäuscht. Das war dann doch ein bisschen billig!

AH! Mist! Da fällt mir noch ein, dass ich der Todesbotin noch das mit dem Ertrinken des Bungeejumpers erzählen wollte! Na ja, beim nächsten Mal.

 

Von der Frau, der ich meine Nummer gegeben hatte, habe ich niemals wieder was gehört. Und irgendwie war ich auch ziemlich erleichtert darüber. Gut zwei Wochen nach unserer Begegnung bekam ich aber trotzdem einen Anruf. Die Polizei lud mich wegen der Ermittlungen des Todes von einer Ivy Arrow vor … ich hatte keine Ahnung, was ich damit zu tun hatte. Auf dem Revier kam ich mir dann ziemlich blöd vor. Der Polizist, der mich befragte, wollte als erstes wissen, ob ich eine Ivy Arrow kennen würde. Ich schüttelte den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste.“ „Letzten Samstag“, begann der Polizist. „verstarb eben diese Ivy“ Er sagte, sie sei zu Tode getrampelt worden. Da dämmerte etwas bei mir. Er schob mir ein zerknülltes Papier zu. „Das hatte sie bei sich.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Na und? Was ist das?“ „Schauen sie sich das ruhig ganz genau an.“ Ich griff nach dem Papier du entknüllte es. „AH!“

„Was, `AH!´?“, der Polizist hatte plötzlich ein sehr irres Leuchten in den Augen. Mir schauderte. Dann zuckte ich wieder mit den Schultern. „Nun“, begann ich. „AH! Das ist Ivy! AH! Sie heißt Ivy! AH! Das ist passiert! AH! Deshalb hat sie nicht angerufen! AH! Deshalb gibt es kein Date mit ihr! AH! Das kann echt passieren! Und, zu guter Letzt, AH! So kommen sie auf mich!“ Der Polizist sah mich entgeistert an. Nach einer Pause meinte er: „Das sind aber ganz schön viele AH!s …“ „Jop“ „Also kennen Sie Ivy Arrow?“ „Flüchtig“ „Und sie wissen, woher das Foto stammt?“ Ich nickte. „Gewissermaßen.“ „Was soll das heißen? Kennen Sie das Mädchen, oder kennen Sie es nicht?!“ Ich starrte ihn an. „Ivy? Ich sagte doch schon, dass ich sie …“  „NEIN! Nicht diese Ivy! Ich will das Mädchen, das die Fotos verteilt! Was wissen sie über sie?! Haben sie ihren Namen? Ihre Adresse?“ Mein Herz blieb einen Augenblick stehen. Er war hinter der Todesbotin her! Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. „Nö, weder noch.“ „Dieses Mädchen muss zur Rechenschaft gezogen werden. Wissen Sie, wo wir sie finden?“ „Rechenschaft?! Aber wofür denn, sie …“ „WO KANN ICH SIE FINDEN?!“ Ja, ich weiß, ich bin oberflächlich und urteile manchmal vorschnell, aber der Typ hier war eindeutig verrückt! Ich schwieg einen Augenblick. „Man kann sie nicht finden. sie findet Sie.“ „Nein!“ „Sir. Ich kann Ihnen da nicht weiter helfen. Aber ich will wissen, warum sie zur Rechenschaft gezogen werden soll. Sie hat nichts getan.“ „Nichts getan? Nichts getan?!“, Ok, er wurde gerade hysterisch! „Sie bringt Menschen um!“, brüllte er. „Das tut sie nicht!“ Er knallte einen Ordner auf den Tisch. Sofort rutschten einige Unterlagen heraus. Ich war fassungslos. Ich griff nach dem Ordner, zog ihn zu mir und blätterte ihn durch. Fotos! Fotos! Lauter Fotos! Und Namen! Ivy Arrow, David Fly, Chyntia O’Donnel, George Swengo, Jill Dunken, Martin High, Freya Heyne, Adam Wright, Harry Gross, Dorothee Korellin, Christina Negen, Peter Overthen, Methew Weather und Sabine Finke, Sidney und Marco Wild, Claire Willow, Theresia Delling, Cira und Alan Neff, Terra Cowens, Erich Müller, Kim Schröder, Cain Mud, es hörte gar nicht mehr auf! Ich zitterte. Wie in Trance blätterte ich den Ordner durch. „Woher … haben sie die Fotos?“ Es war so unfassbar. Die vielen Menschen. Ich wusste zwar, dass die Todesbotin noch andere Menschen besuchte, aber, mein Gott, das … ich schien als Überlebender eher die Ausnahme der Regel zu sein. Alle hier waren tot!

„Bei all diesen Menschen wurden Fotos gefunden. “, sagte der Polizist. „Das Mädchen ist gefährlich.“ „Unvorsichtig, aber nicht gefährlich. Warum lässt sie die Fotos liegen?“ Da lachte der Polizist. Er hatte wieder diesen irren Blick in seinen Augen. „Ich war schneller als sie! Ich habe die Fotos konfisziert, bevor sie sie wieder an sich nehmen konnte.“ Ich zitterte immer noch. Das war eine Nummer zu groß für mich. „Diebstahl?“, fragte ich trotzdem. Ich mochte diesen Polizisten nicht! „Konfiskation!“, antwortete er. „Diebstahl!“, nickte ich.

 

Er rastete aus! Brüllte, das ich das Wesentliche aus den Augen verlieren würde. Dieses Mädchen sei gefährlich. Ich schüttelte den Kopf. „Es muss auch Überlebende geben!“ „Es sind mir keine Bekannt!“ Ich nickte. „Wenn ich ihnen aber einen Überlebenden liefern würde, würden sie dann glauben, dass sie nicht gefährlich ist? Ich meine, sie bringt nur die Nachricht, nicht den Tod! Sie bringt niemanden um!“ Er schaute mich forschend an. „Und wenn ich Ihnen einen Menschen liefern würde, den sie aktiv umgebracht hat, mit Zeugenaussagen einer Nichtbeteiligten, würden Sie dann mir glauben?“ Ich schüttelte den Kopf. „Dafür kenne ich sie zu gut.“ Er starrte mich an. Ich starrte zurück. Hatte ich das gerade echt gesagt? „Sie sind ihr schon begegnet?“ Ich nickte. „Etwa fünf Mal.“ „Und sie leben noch?! Wieso?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht genau, aber ich weiß, dass sie niemanden umbringt! Das könnte sie nicht!“ Er richtete sich vor mir auf. „Sie irren sich. Ich habe eine Zeugin, die beobachtet hat, wie dieses Mädchen einen Jungen umbrachte.“ Er schwieg kurz. „Nun, ich hatte zumindest eine, bis auch sie verstarb.“ „Nein! Das glaube ich nicht! Wenn, dann war es ein Unfall, ganz sicher! So ist sie nicht!“ Ich hielt inne und atmete tief durch. Ich war ausgeflippt. Ich riss mich wieder zusammen. „Was geht sie das eigentlich an?“, fragte ich. Der Polizist sah mich betreten an und schwieg einen Augenblick. Dann holte er sein Portmonee heraus und kramte einen Zettel heraus. Er reichte ihn mir und ich faltete ihn auf. Es war ein Foto. Ich schaute ihn überrascht an. Er sah plötzlich so kränklich aus. „Ich habe es vor einem Jahr bekommen. Die Frist ist bald um!“ „Frist?“ Er zeigte auf die schnörkeligen Zahlen unter dem Bild, die mir auch schon aufgefallen waren, denen ich aber nie größere Bedeutung zugemessen hatte. „Dann werde ich sterben. Das habe ich schon herausgefunden. Deshalb beschäftige ich mich so mit ihr, ich will nicht sterben! Ich will, dass sie aufhört zu morden!“ Ich schüttelte den Kopf. „Sie mordet nicht. Und nun entschuldigen Sie mich. Ich glaube, wir sind hier fertig.“ Damit stand ich auf und wollte gehen. Ich wollte diesen Mann nicht mehr sehen. Er hielt mich aber zurück. „Warten Sie. Wenn Sie sie noch einmal treffen, hier ist meiner Karte. Bitte helfen Sie mir dabei, ihr das Handwerk zu legen!“ Ich nickte und nahm die Karte. Harvey Dimm … unwichtig. Ich werde sie mit Sicherheit nicht an ihn ausliefern. Sie macht nichts Falsches!

 

Die folgende Nacht lag ich wach und musste darüber nachdenken, was ich getan hätte, wenn ich ein Jahr Zeit gehabt hätte. Ob ich mich dann auch so hineingesteigert hätte wie dieser Polizist? Dann musste ich wieder an die vielen Fotos und Namen denken. Irgendwie war ich mir sicher, dass das längst nicht alle waren. Aber warum? Wie? Was war ihre Rolle in diesem Spiel?

 

Am nächsten Morgen musste ich wieder zum Arbeitsamt. Der Blondschopf hatte dafür gesorgt, dass ich aus dem Kabelträgerjob gefeuert wurde. Was solls?

Vollkommen Gedankenverloren spazierte ich die Straße entlang. Ich dachte immer noch über das Mädchen nach. Die kleine Todesbotin … was war noch das letzte Foto, das sie mir gegeben hatte? Ach ja, Autounfall. Ich schaute auf. Das Auto kam mir entgegen. Ich sprang gerade noch rechtzeitig von der Straße und landete genau in ihren Armen. Und sie war stinksauer.

22.7.08 13:51





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